In einer Welt, in der die Demokratie in allen Bereichen auf dem Rückzug ist, und selbst ehemalige Vorzeigedemokratien mehr und mehr zur Farce geraten, sehe ich es als die Pflicht aller Wissenschaftler, dazu Stellung zu nehmen. Dabei ist mein Credo weniger ein politisches, als das eines (echten) Rappers, der die Bühne betritt und nach der rituellen Welt- und Publikumsbeschimpfung das Konzert aus tiefster Seele mit den Worten "Love, Peace, Respect" eröffnet.
Ab 1. April wurde ich vom Parkplatz des Fachbereichs durch die Universitätsverwaltung ausgesperrt. Begründung: ich erhielt im Laufe von 6 Monaten 5 Verwarnungen vom von der Universität angestellten Wachdienst. Ich hatte nach Meinung des Wachdienstpersonals meine Parkplakette nicht ordnungsgemäß im Auto platziert. Dazu ist einiges anzumerken:
Skandale im Innenministerium: Platter und Cäsar
Kann es sein, dass sich Günther Platter für einen wiedergeborenen Julius Cäsar hält?
In der allgemeinen Verlotterung der politischen und medialen Sitten, die das Land der Dancing Stars auf mehreren Bühnen derzeit heimsucht, ist der Niedergang der parlamentarischen Kultur deswegen besonders schlimm, weil er kaum noch wahrgenommen wird. Ansätze, das auf dem Grundsatz der Gewaltenteilung basierende Prinzip, wonach die Regierung dem Parlament verantwortlich ist, in sein Gegenteil zu verkehren, hat es immer wieder gegeben.
In den Jahren von Wolfgang Schüssels Kanzlerschaft ist aus den Ansätzen ein System geworden, wovon auch etliche Auftritte seines besten Finanzministers aller Zeiten vor dem Nationalrat Zeugnis ablegten, der es sich schon einmal angelegen sein ließ, unter Ausschöpfung seiner enormen politischen Erfahrung das Parlament als eine Art Kasperltheater zu qualifizieren.
Die Sondersitzung des Nationalrates am Montag dieser Woche, bei der der Untersuchungsausschuss zum Thema parteipolitischen Missbrauchs im Innenressort beschlossen wurde, lieferte wieder einmal ein besonderes Ungustostück dieser parlamentsverachtenden Gesinnung. Zunächst hielt es der Innenminister nicht für der Mühe wert, zeitgerecht zu erscheinen.
Wenn die Abgeordneten seiner Partei nicht pünktlich eintrudelten, weil sie ihre Ablehnung des Ausschusses auf diese Weise um ein paar Minuten hinauszögern wollten, sind sie darin frei. Aber der Minister hat gefälligst nicht zu demonstrieren, sondern ab dem festgesetzten Termin den Abgeordneten Rede und Antwort zu stehen. Wenigstens diesen Rest formalen Respekts könnte man wahren.
Wenn er schon sonst keinen an den Tag legt. Denn was tat er dann? Die Presse sah es so: Er "verwendete seinen Auftritt für eine Generalabrechnung mit seinen Gegnern im Allgemeinen und Peter Pilz im Speziellen". Wenn man den Begriff "Generalabrechnung" nicht überdehnen will, ist das korrekt wiedergegeben.
Wenn ein Minister schon glaubt, politischen Gegnern eine Generalabrechnung ausstellen zu müssen, kann er das in einer Pressekonferenz tun, für eine Generalabrechnung mit dem Parlament ist die Regierungsbank im Sitzungssaal der falsche Ort. Statt umfassend Rede und Antwort zu stehen, verstieg er sich in die Rolle eines erhabenen Zensors, der dem Haus, das nur seine Antworten hören wollte, vorwarf, Ort eines "unwürdigen und schmutzigen Schauspiels", der Vernaderung und Verleumdung zu sein, weshalb es "an einem Scheideweg angelangt" sei.
Platter maßte sich an, das Parlament zu rüffeln, und um diesem Rüffel Tiefe zu verleihen, ließ er es teilhaben am dumpfen Rumoren der Weltgeschichte im Kopf eines österreichischen Innenministers: "Peter Pilz hat die Chance seines Lebens gerochen und den größten Skandal seit der Ermordung Julius Cäsars ausgerufen."
Zu diesen weltgeschichtlichen Betrachtungen eines Tiroler Landgendarmen ließe sich ja einiges sagen. Etwa, ist die Ermordung eines Menschen ein Skandal, oder nicht vielleicht doch ein wenig mehr? Oder: Kann es sein, dass sich Günther Platter für einen wiedergeborenen Julius Cäsar hält, der ein paar Tage vor den Iden des März seine neuerliche Ermordung durch einen Untersuchungsausschuss abwenden wollte, indem er dessen Mitglieder vor dem Betreten jenes Scheideweges warnt, der "letztlich" schon den römischen Kollegen ins politische Abseits geführt hat? Das wäre immerhin ein Beweis dafür, dass man aus der Geschichte doch etwas lernen kann, vorausgesetzt, man schnupft zu diesem Zweck eine Prise Cäsarenwahn auf.
Aber keine Angst, die Iden dieses März werden vielleicht vorüber sein, ehe sich die hiesigen Verschwörer auf ein Oberhaupt geeinigt haben, und trotz seiner Missachtung des Parlaments wird Platter noch ein Weilchen überleben. Weil: In Österreich eh wurscht. (Günter Traxler/DER STANDARD, Printausgabe, 7.3.2008)
Helmut A.
Mayer
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